Pessach – die Freiheit feiern

Pessach ist ein besonderes Fest innerhalb des jüdischen Jahreskreises. Die Atmosphäre ist sehr feierlich und das aus gutem Grund. Pessach erinnert nämlich an ein ganz wichtiges Ereignis in der jüdischen Geschichte und Tradition: den Auszug der Israeliten aus Ägypten und das Ende der Knechtschaft unter dem Pharao. Und dies bedeutete vor allem eines: Freiheit! Wenn das kein Grund zum Feiern ist…

Das heute vorgestellte Pessach-Rezept entspricht nicht ganz der kulinarischen Assoziation, die Pessach im Allgemeinen hervorruft. Die Rede ist natürlich von den allseits bekannten „Mazzot“/“Matzen“, den ungesäuerten Teigfladen. Diese werden – zumindest in traditionellen Kreisen – während der gesamten Festwoche gegessen. Die Symbolik dahinter: das ungesäuerte Brot erinnert an den eiligen Auszug aus Ägypten, der keine Zeit mehr ließ, den Brotteig säuern zu lassen.
Wir verschaffen den eher trockenen und spröde wirkenden Teigfladen heute einen ganz anderen Auftritt und präsentieren sie als wichtige Zutat im Pessach-Schokoladenkuchen von Ruth Melcer. Unserer Meinung nach sollte der auf keiner Pessach-Tafel fehlen, genauso wenig wie der Wein. Es gehört sich nämlich, dass im Verlauf des Pessach-Mahles („Seder“) jeder Anwesende vier Gläser Wein trinkt. Man prostet einander auf die Freiheit und vor allem auf das Leben – „LeChaim!“ – zu.

Um das Leben, das Weiterleben nach der Schoa, Geschichten, Traditionen und vor allem die damit zusammenhängende Kochkunst geht es auch im kürzlich erschienenen Kochbuch von Ruth Melcer, aus dem wir das unten stehende Pessach-Rezept ausgewählt haben. „Ruths Kochbuch“ ist nicht nur eine Rezepte-Sammlung, es ist vor allem ein Stück Familienüberlieferung. Die 1935 in Polen geborene Autorin schreibt darin gemeinsam mit Ellen Presser, der Leiterin des Kulturzentrums der IKG München, auf einer sehr persönlichen und unmittelbaren Ebene über ihre Geschichte, ihre Identität, über Erinnerungen und Traditionen, die ganz eng mit dem Essen verknüpft sind. Besondere Speisen gab und gibt es vor allem an den Feiertagen – so zum Beispiel den Pessach-Schokoladenkuchen, der in Ruth Melcers Erinnerung schon immer der Lieblingskuchen aller Kinder und Enkelkinder war. Kein Wunder – mit dieser schokoladigen Opulenz lässt sich die Freiheit, um die es zu Pessach geht, ganz wunderbar feiern!

Pessach-Schokoladenkuchen

Zutaten
8 Eier
300 g Zartbitterschokolade
200 g weiche Butter
240 g Zucker
180 g feines Matzemehl (Mehl aus zerkleinerten Matzen, den ungesäuerten Teigfladen)

Zubereitung
Backofen auf 175 Grad vorheizen. Die Eier trennen. Eiweiß zu Schnee schlagen und beiseite stellen. Die Schokolade im Wasserbad schmelzen. Etwas abkühlen lassen. Inzwischen Butter und Zucker schaumig rühren, dann die Eigelbe und die geschmolzene Schokolade dazugeben. Das Ganze gut vermengen und anschließend das Mehl einrühren. Zum Schluss den Eischnee unterheben.
Eine Springform von 26 cm Durchmesser mit Backpapier auskleiden, den Teig einfüllen und 40 bis 50 Minuten backen. Mit einem Holzstäbchen lässt sich leicht feststellen, ob der Kuchen fertig gebacken ist. Das Stäbchen sollte beim Herausziehen trocken bleiben. Den ausgekühlten Kuchen mit Schokoladeglasur überziehen.

Ruth Melcer/Ellen Presser, Ruths Kochbuch. Die wunderbaren Rezepte meiner jüdischen Familie, Gerstenberg Verlag, 2015.

Beitrag von Lisa-Maria Tillian
Foto: Ryta (Ruth) mit Puppe, in Tomaszów 1938

2 Antworten zu “Pessach – die Freiheit feiern”

  1. [...] Und wenn ich absolut sicher gehen will, das meine Geschichte gelesen wird, dann setze ich bei der Relevanz an. Jeder Mensch orientiert sich in der Welt aus Botschaften (ob sie Medien oder dem Tischnachbar gesendet werden)  an der Bedeutung, die der Inhalt für sein eigenes Leben hat. Ein solcher subjektiver Wahrnehmungsfilter hat sich im Laufe der Evolution aus guten Gründen durchgesetzt. Wenn ich als Steinzeitmensch gut zugehört habe, welche Wolken Regen bringen, komme ich mit meiner Ernte eben besser durch, als einer, der sich lieber am Lagerfeuer der Erfindung der Poesie hingab. Die Titelseiten der Magazine und Zeitungen sind heute oft ein übler Einheitsbrei aus Rückenschmerzen-Tipps, Diät-Empfehlungen und Ärztelisten. Da sind nicht nur die Medienmacher schuild, sondern auch die Käufer. Gesundheit betrifft unser Leben und hat damit höchste Relevanz. Als Blogger kann man von der Selektion der Leser eine Ahnung bekommen, wenn man Rezept-Tipps verfasst. Unser erfolgreichstes Posting im Blog des Jüdischen Museums München war ein Schokokuchen-Rezept zu Pessach. [...]

  2. Susann Pietsch sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich bin auf der Suche nach dem Rezept des saftigen Orangenkuchens. Das Kochbuch und ein paar Rezepte wurden letztens im Fernsehen vorgestellt, deshalb dachte ich, ich finde das Rezept bestimmt später noch im Internet.

    Ich koche und backe leider nicht so viel, weshalb sich die Anschaffung des ganzen Kochbuches für mich nicht lohnt.

    Scheint aber ein schönes Kochbuch zu sein!

    Vielleicht ist es ja möglich mir das eine Rezept zukommen zu lassen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Susann Pietsch

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