M.T. Wetzlar – Jüdische Silberschmiede in München

Auf den Münchner Litfaßsäulen ist seit einigen Tagen ein Plakat mit einer wunderschönen Art-Deco-Silberkanne zu sehen. Über ihr prangt der Stempel „Arisiert 1938“. Das Plakat wirbt für die Ausstellung „M.T. Wetzlar – Silberschmiede in München, gegründet 1875 – arisiert 1938“, die am vergangenen Donnerstag bei unseren Nachbarn und Kollegen im Münchner Stadtmuseum eröffnet wurde. Die von Florian Dering kuratierte Ausstellung widmet sich der 1875 nach München gekommenen Silberschmiede-Familie Wetzlar. Der Firmengründer, Moses Tobias Wetzlar war auch als Kantor an der orthodoxen Ohel-Jakob-Synagoge tätig.

Ab 1903 besaß die Familie ein Ladengeschäft in der Maximilianstraße 2 (jenes, das vor wenigen Tagen von der berüchtigten „Pink Panther“-Bande überfallen wurde), im Hinterhaus befand sich die Silberschmiede-Werkstätte. Ein Höhepunkt der Firmengeschichte war 1930 die Beauftragung für die Herstellung des Münchner Ratsilbers, das bei Banketten und Feiern im Münchner Rathaus verwendet wurde und sich heute im Münchner Stadtmuseum befindet. 1938, unmittelbar nach der Kristallnacht, wurde die Firma „arisiert“. Den beiden Besitzern, Alexander und Heinrich Wetzlar, gelang die Emigration nach England. Heinrich kehrte nach 1945 nach München zurück und wurde Verkaufsleiter im Geschäft der Nymphenburger Porzellanmanufaktur.

In der Ausstellung befindet sich auch eine Leihgabe des Jüdischen Museums München: Der Kiddusch-Becher der Familie Schäler. Er ist eine Schenkung von Albert Schaler (geb. 1924 in München, gest. 2011 in Providence (Rhode Island), dem zusammen mit seiner Schwester die Emigration mit einem Kindertransport nach England gelang, während seine Eltern 1943 in ein Vernichtungslager deportiert und ermordet wurden. Albert Schaler erzählte dazu aus der Familiengeschichte, dass sein Vater Josef Schäler, der 1919 heiratete, einen historistischen Kiddusch-Becher (der sich ebenfalls als Schenkung bei uns befindet), mit in die Ehe brachte. Seine Frau Elisabeth gefiel dieser Becher nicht, da sie wesentlich moderner eingestellt war als ihr Mann. In den 1920er Jahren erwarb sie deshalb den Becher bei Wetzlar. Die Diskussionen und nicht ganz ernst gemeinten Streitgespräche der ästhetischen Qualitäten der beiden Becher wurden dann so etwas wie ein „running gag“ in der Familie.

Die Ausstellung im Münchner Stadtmuseum, zu der auch ein umfangreicher Katalog erschienen ist, ist bis 17. August zu sehen.

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