Bierschlegel und Staffelei – Die Familie Schülein und das „Löwenbräuzelt auf dem Oktoberfest“

Löwenbräuzelt auf dem Oktoberfest, Julius Wolfgang Schülein (1881-1970), Um 1930 Aquarell auf Papier, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau

Würde man dieses Aquarell heute auf Postkarten drucken, so würde es dieser Tage bestimmt hundertfach aus den Postkartenständern auf der Theresienwiese und auch außerhalb gezogen werden: ein Oktoberfestmotiv mit Löwenbräuzelt, um 1930  von Julius Wolfgang Schülein gemalt, einem Cousin des damaligen Löwenbräu-Generaldirektors Hermann Schülein.

Der 1881 geborene, in seiner Kindheit als schüchtern beschriebene Maler, musste sein juristische Examen ablegen, ehe er sich seiner eigentlichen Leidenschaft, der Malerei, widmen und seine Ausbildung an der Münchner Akademie unter Hugo von Habermann beginnen konnte. Julius Wolfgang Schülein war Mitbegründer der Neuen Secession München und erfuhr mit seinen stilistisch zwischen Impressionismus und Expressionismus angesiedelten Landschaftsdarstellungen vor allem in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg Erfolg und Anerkennung.

Künstlerisch war er ebenso stark mit seiner Heimatstadt und natürlich auch dem Oktoberfest verbunden, wie ein anderer Zweig der Familie Schülein mit der Löwenbräu AG und der Münchner Brauzunft im Allgemeinen.

Die Geschichte der Familie Schülein in München begann 1895 mit dem Kauf der bankrotten Unionsbrauerei in Haidhausen. Durch stetige Expansion und wichtige Fusionen wie beispielsweise jene im Jahr 1921 mit der Löwenbräu AG, stieg die Unionsbrauerei Schülein rasch zu einer der erfolgreichsten in München auf.

Hauptverantwortlich dafür waren Josef und Hermann Schülein, Onkel und Cousin des Künstlers Julius Wolfgang, die den Schritt in die Bierbranche wagten und nicht nur durch ihre Expertise als Kaufleute und ihrem gesellschaftspolitischen Gespür, sondern auch durch Kenntnisse der Zunft den Status der Familie in München prägten und bis in die Anfänge der Nazi-Zeit halten konnten.

Während sein Cousin als Brauereidirektor nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten vorerst in der Löwenbräu AG geduldet wurde, floh Julius Wolfgang Schülein bereits 1930 aus München. „Das Deutschland Hitlers“, wie er es 1967 in seinen Memoiren bezeichnete, verließ er 1933 von Berlin aus. Er zog mit Tochter Katharina und seiner Frau Suzanne Carvallo (1883–1972), ihrerseits eine erfolgreiche Malerin, in deren Heimat Frankreich, wo sie sich während einem seiner Ausbildungsaufenthalte 1908 auch kennengelernt hatten. Hier konnten sie durch die Protektion der Schwiegereltern eine Zeit lang leben.

Nachdem Julius Wolfgang Schülein mehrfach in französische Internierungslager gebracht worden war, entschied sich die Familie schließlich 1941 über die iberische Halbinsel nach Amerika zu fliehen.

Beide, Julius Wolfgang Schülein als Maler und sein Cousin Hermann Schülein als Industrieller im Brauereiwesen, waren auch nach ihrer Emigration in die USA erfolgreich.

Die ausführliche Geschichte der Familie Schülein und andere Braugeschichten können nicht nur  Wiesnbesucherinnen und Wiesnbesucher in unserer Ausstellung „Bier ist der Wein dieses Landes. Jüdische Braugeschichten“ entdecken, wo man auch das Original-Aquarell  „Löwenbräuzelt auf dem Oktoberfest“ bewundern kann.

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