Rabbinisches Gewand aus dem Chiemgau

Manchmal entstehen die besten Ideen des Tages schon beim ersten Kaffee und der Lektüre der morgendlichen Zeitung. So geschehen Anfang September hier im Jüdischen Museum München, beim Blick in die „Jüdische Allgemeine“.

Darin wurde auf der Seite drei die Arbeit von Eva Fromm vorgestellt, einer Schneiderin aus dem oberbayrischen Unterwössen. Über die letzten Jahre hat sich Frau Fromm einen Ruf mit der Anfertigung hochwertiger Textilien für den jüdischen Gottesdienst erarbeitet. Ein Zitat Fromms ließ uns besonders aufmerken:

»Eines Tages ist dann ein jüdischer Freund zu mir gekommen und wollte wissen, ob ich ihm nicht so einen langen schwarzen Mantel nähen könne. Ich nähte ihm diesen langen schwarzen Mantel, woraufhin der Kantor der Münchner Gemeinde sich bei mir meldete und auch so einen Mantel haben wollte und gleich dazu noch eine schwarze Kappe mit Samtrand im Stil des 19. Jahrhunderts.«

(Ganzer Artikel online verfügbar unter http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/29463)

Eine samtene Kappe im Stil des 19. Jahrhunderts? Eben eine solche Kopfbedeckung ziert doch auch das Haupt des Rabbiners Hirsch Aub (1796–1875) auf dem Gemälde, welches wir aktuell im Studienraum des Museums zeigen! Dazu trug Aub offenbar dunkle Beffchen mit hellem Rand.

Beide Stücke hat Eva Fromm auf Anfrage nach Vorbild des Gemäldes und historischer Skizzen für das Jüdische Museum München nachgenäht. So befinden sich in unserem Bestand nun jüngst zwei handgefertigte Reproduktionen, die auch Teil der neu eröffneten Studienraumausstellung sind.

Wer wissen möchte, was genau es mit diesen Kleidungstücken und dem Gemälde des Rabbiner Hirsch Aub auf sich hat kann sich dazu noch bis April 2018 die Kabinettausstellung „Hirsch Aub – Porträt eines Rabbiners“ bei uns im Museum ansehen.


Foto: Franz Kimmel

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