Halbzeit

Heute vor drei Monaten ist unsere Ausstellung „Sieben Kisten mit jüdischem Material – Von Raub und Wiederentdeckung 1938 bis heute“ eröffnet worden und noch drei Monate wird sie zu sehen sein. Die „Halbzeit“ war für uns Anlass, aus konservatorischen Gründen ein Objekt auszutauschen.

Die 1938 aus sieben unterfränkischen Synagogen geraubten Ritualgegenstände sind vorwiegend aus Silber oder Messing hergestellt, aber es befinden sich auch fünf aus der Synagoge Ebelsbach stammende Tora-Mäntel, die den Raub 1938 und die Zerstörung des damaligen Mainfränkischen Museums 1945 überstanden haben, in der Ausstellung. Da so alte Textilien überaus lichtempfindlich sind, stellen wir nur einen von ihnen gleichzeitig aus. Und das auch nur für kurze Zeit: Nach drei Monaten kommt nun der gelbe, goldbroschierte, in Lyon 1740/1750 hergestellte Tora-Mantel aus Seidentaft wieder ins Depot. Heute wurde er durch einen grünen, ebenfalls aus Lyoner Seidentaft um 1760 gefertigten Mantel ersetzt.

Übrigens: Die meisten der 1938 beschlagnahmten synagogalen Textilien wurden – im Gegensatz zu den meisten Metallobjekten – 1947 den Kunstschutz-Offizieren der US-Army übergeben, die sie im „Offenbach Archival Depot“ lagerten, wo sie von Experten durchgesehen und anschließend durch die „Jewish Cultural Reconstruction“ an Synagogen und Jüdische Museen vorwiegend in Israel und in den USA verteilt.

So erhielt etwa das Bezalel Nation Museum in Jerusalem, das heutige Israel Museum, einige aus der Würzburger Synagoge in der Domerschulstraße geraubte, die im Online-Angebot des Israel Museum angesehen werden können.

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